Mittwoch, 14. Mai 2008

Oh Tortilla

Was für uns die Breze ist, ist hier die Tortilla: gerollt als Taco, frittiert als Tostada -vergleichbar mit den uns bekannten Tortillachips aber letztlich doch ganz anders im Geschmack -, gebacken als Enchilada (Mexikanische Lasagne mit Hühnerfüllung), gefüllt mit Käse und Kürbisblüte, schwarzen Maispilz, der sich Huitlacoche nennt, oder kleinen Grashüpfern. Verarbeitungsweise und Inhalt des gelben manchmal auch blauen „Aztekenbrotes“ sind keine Grenzen gesetzt.
Am besten sind sie, frischgebacken und dampfend heiss, wie man sie im Supermarkt kiloweise eingepackt unter einer bunten Decke oder im Styroporkasten gewärmt, findet. Da muss man dann ganz schnell eine essen – sowie der Pariser es nicht lassen kann, am Spitzl von seinem Baguett schon auf dem Nachhauseweg zu nagen. Sind sie alt und hart, werden sie zu Tortillaflädlisuppe verarbeitet (nur zu Knödln eignen sie sich nicht).
Jedes feine Restaurant das etwas auf sich hält –und davon habe ich dank der kulinarischen Genussfreudigkeit meiner „Schwiegerfamile“ inzwischen einige kennengelernt - stellt eine Tortillabäckerin mitsamt Tortillapresse und heissem Backstein in einer Ecke auf, wo sie in weisser Schürze und mit einem Gesicht so rund wie die Tortillas selbst, vor den Augen der Gäste eine Unmenge von dieser runden Leibspeise bäckt.
Doch ist die Tortilla nicht nur Gaumenfreude, sondern auch Freundin der Revolutionäre: steigt der Kilopreis für Mais, klettert der Tortillapreis gleich hinterher. Das juckt den Gourmet, der anstatt Tortilla auch Kuchen essen kann, wenig. Der Arbeiter, der schätzungsweise ein halbes Kilo pro Tag davon verzehrt ist davon weniger amüsiert und findet sich aus diesem Grund gerne auch mal auf der Strasse ein. Dabei steht er den Argentinischen Genossen um nichts nach wie es auch in einer gewissen Doktorarbeit schon geschrieben steht.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Schubertiade bei Frida Kahlo


Mexikanische Schubertiade – ein Schubert Violinabend im Haus keiner geringeren als Coral Messina, mexikanische Pianistin und Komponistin der Olympischen Hymne der 1968 Sommer Spiele in Mexico. Das Haus, in der Colonia Condesa dem Viertel der Bohemians voller Cafes und Restaurants, gleicht von aussen den anderen Häusern mit denen es Seite an Seite steht. Durch einen kurzen dunklen Gang tritt man in einen Innenhof, den etliche Reihen weisser Gartenstuehle unmissverständlich als „Konzertsaal“ auswiesen. Ohne das eingebaute Glasdach wäre der Hof unter freiem Himmel, eingerahmt durch drei Flügel in denen sich wohl die Zimmer befinden. Auf der vierten Seite hinter einer laut knatternden Plastikplane, schliesst ein Garten an. Auf der Vorderseite ein Musikzimmer ausgestattet mit zwei Steinway Flügeln, indem sich zwei wackere Musiker des Ostblocks in der staubig-feuchter Luft fast auflösen. Um sie herum grinsen weibliche Pappmachéskelette in gelben und rosa Kleidern, Hüten und Federboas Allerseelen entgegen, und hinter ihnen blickt Frida Kahlo mit Äffchen etwas gequält von der Wand. Was von der Wand übrig bleibt, ist mit Zeitungsartikeln, unzähligen Fotos der Gastgeberin mit oder ohne mehr oder weniger berühmten Musikgrössen, und Konzertpostern aus den 80iger Jahren tapeziert: die Musikakademie lädt zu einem Audiovisuellen Konzert ein, komponiert und vorgetragen von Coral Messina. Das Publikum auf den Plastikstühlen erinnert alters-, geschlechts-, und wohl auch standesmässig an den Gardenclub. Wie kleine Papageien sitzen grell geschminkte Damen, in bunten Sommerkostümchen, die teils noch prächtigen grauen oder gefärbt farbigen Haare hochgesteckt, in den ersten Reihen der Plastikstühle, begrüssen jede neu angekommene mit kleinen spitzen Küsschen, und händezusammenfaltenden Ausrufen: „Mi vida, mi vida, wie schön Du heute wieder aussiehst“. In den hinteren Reihen positioniert sich jüngeres Publikum, Protegés und Musikerfreunde, zwischen weiteren Skeletten.
Und dann tritt Coral selbst auf die Bühne, nicht um zu spielen sondern um die Musiker anzukündigen: in weitem Mexikanisch-blumigen Kleid und einer überdimensionalen Steckfrisur aus teilweise künstlichen Zöpfen, die in allen möglichen Richtungen auf dem Kopf verflochten sind, scheint sie ebenjenem Frida-Kahlo Bild entschlüpft. Etwas verschmierter blau-schwarzer Kajal konkurriert mit dem grosszügig aufgetragenen Lippenstift. An beweglichen Händen und gespreizten Fingern klirrt und klimpert eine Rüstung aus Ringen, Armreifen und einem riesigen Schlüsselbund, den sie ab und an mit einer geübten Bewegung des Handgelenks in ihre Handfläche wirft. Ein rastloses Vögelchen dass sich leider nicht dazu bewegen lässt ihr mit neun Jahren komponiertes Klavierstück „El Cucu“ vorzutragen, sondern sich damit begnügt den Musikern einen dezent seufzenden Dank auszusprechen um sich dann unter ihre Gäste zu mischen.

Samstag, 12. April 2008



Nachdem ich eh die einzige bin, die sich auf diesem schönen Feld hier verlustiert, kann ich auch gleich noch mal nachschieben. Also, ihr wisst alle schon, Johns Hopkins hat mir sein jubelndes Ja über den Ozean gehaucht, und die frische Brise war mir sehr genehm. Also habe ich mich betrunken (moderat, und nicht so wie ich das vorhatte), am nächsten Tag zum Mittagessen ausführen lassen (Heidi und Oda, und es war eine Pracht), ein Glas Wein und drei Blöcke später hatte ich neue Schuhe (es ist nicht alles Gold was glänzt. Diese hier auch nicht, aber so hoch wollte ich meine Ansprüche nicht kurbeln. Glanz reicht auch). Und nachdem ich vorgestern endlich und gottseidank  mein dämliches, vollkommen nutzloses Handy verloren habe, musste ich mir heute einen Wecker kaufen. Ich kann mir die Epoche nicht mal vorstellen, deren er angehörig sein könnte. Aber Dr No ist eine miese Kellerratte gegen meine Ausrüstung. Ich habe 16 Knöpfe um sämtliche Zeiten dieser Welt abzufragen, und ich schaffe das mit links, obwohl die Bedienungsanleitung auch in deutsch noch japanisch ist. Also, Gratulation an mich selber, habe ich was geleistet und mich auch noch selber belohnt, damit das kein anderer machen muss, ich freue mich immer noch dass ich mit allen von euch so schnell sprechen konnte nachdem ich nicht aufhören konnte, schnell zu sprechen (also waren 3 Ventile das mindeste was man brauchen konnte), also forvärts, 
beso
Tono

Mittwoch, 9. April 2008

Sozi kann ich auch


Nachdem ich jetzt also schon demonstriere wie ein Weltmeister, habe ich mich mit Freuden, oder auch aus Versehen, in die Reihen der Sozis, nein, noch besser, der unradikalen Jungphilantropen geworfen. Als Antwort auf eine Anzeige im Internet, die freiwillige Mitarbeiter für ein "lustiges" Radioprogramm suchte, hatte ich mich in die Höhle der Löwen begeben, nur um lauter Schafe im Guevara-Pelz vorzufinden (passenderweise im Seidenkleidchen, nachdem mir die Klamotten ausgegangen waren. Besser sauber aussen als dreckig innen). Das Red Humanista  setzt sich aus einem bärtigen Haufen Weltverbesserer zusammen, die auf die Revolution von unten warten. Wir müssen alle nur ein bisschen netter werden, das System ist eh Hundekuchen. Also, daher schart man um sich, wer Solidarität noch zu buchstabieren weiss, und bespricht, ob man nicht mal ein Theaterstück oder ein Radioprogramm machen sollte, ein lustiges kritisches. Oder so, bis jetzt habe ich mich um die Haupt-und Herzversammlung gedrückt, soweit zugelassen, habe es aber nicht übers Herz gebracht, nicht mit dem Weltverbesserer Carlos nicht im Park Zettelchen zu verteilen, um noch mehr Schäfchen an die Tränke der guten Herzen zu rufen. Wenigstens weiss ich jetzt, dass ich entweder sozialschizophren bin, oder zu später Stunde einfach zynischer. Höchstwahrscheinlich war die auch mein letzter Auftritt, bevor ich mich noch im Humanistnetz gefangen vorfinde (Dabei kann mir niemand vorwerfen ich hätte nicht mein Scherflein beigetragen). Also, wenn in ein paar Jahren die Welt eine bessere ist, liegt das nur marginal an meinem Beitrag. Also, Tod dem individualismo oder auch Egoismus und ran an die Doktrine, 

Tono (ein besserer Mensch, schon heute)

Freitag, 28. März 2008

Cazerolazo total


Völkerverständigung ist nicht jedermanns Sache, vor allem nicht die des Volkes, aber der süsse Klang einiger hundert Töpfe und Pfannen kann so einiges (nur nicht die Steuern senken). Argentinien steht Kopf angesichts einer horrenden Steuererhöhung und haut auf die Pauke. Ich hatte das Privileg mich unter die Pfannen zu mischen und fast überrannt zu werden (merke: zum demonstrieren keine Stöckel tragen). Inzwischen erwarte ich mit Spannung den erwarteten Lieferungsengpass dank Strassenblockaden, der Buenos Aires der Lebensmittel berauben wird. Bis jetzt habe ich noch niemand Konserven kaufen sehen, das einzige was sich in Massen in meinem Kühlschrank herumtreibt sind zwei Kühe und ein Schweinehintern, die von einem Event meines Vermieters übriggeblieben sind. Damit komme ich noch ein paar Tage durch, wenn er nicht hinschaut. Soweit zum ersten Eintrag. Wer hätte gedacht dass man sich gleich in politische Fahrwasser begeben wird. Ich hoffe es geht euch allen gut,
un beso
Tono